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„Verzagen sie nicht, wenn’s auf sie zukommt“
 

„Wie man die Pflegezeit finanziell meistert“ lautete das Thema eines Vortrags, zu dem der Stadtseniorenrat Geislingen im Rahmen seiner Hauptversammlung nach Geislingen in das Mehrgenerationenhaus eingeladen hatte. Was auf den ersten Blick etwas trocken klang, entpuppte sich für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer als äußerst kurzweilige und trotzdem sehr informative Veranstaltung.

Der Vorsitzende des Stadtseniorenrates, Wolfgang Kehrer konnte Thomas Rohr aus dem Sparkassenberatungsdienst „Geld und Haushalt“ begrüßen. Mit dem Vortrag hatte der Stadtseniorenrat voll ins Schwarze getroffen. Auf Grund des hohen Besucherzuspruches musste der Saal immer wieder nachbestuhlt werden.

„Schlafend sterben im Bett lässt sich nicht immer einrichten“ führte der Gast die Runde vom Wunschtraum schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Und schon war man mittendrin im Thema. „Wir werden älter, bleiben aber auch länger gesund“, sagte Thomas Rohr. Trotzdem nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen zu. 2,7 Millionen sind es aktuell, 3,5 Millionen werden 2030 und sogar 4,5 Millionen 2060 erwartet. „Derzeit bewegen uns die Flüchtlinge, aber langfristig ist das Thema Pflege mindestens genauso wichtig“, unterstrich der Experte angesichts dieser Zahlen.

Der Trend gehe zur häuslichen Pflege. Dem tragen die beiden neuen Pflegestärkungsgesetze mit zum Teil deutlich erhöhten Sätzen für die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden Rechnung. Aus drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade, was auf einen Schlag zu einer halben Million mehr Leistungsbeziehern führt. Der Mann vom Sparkassenberatungsdienst hält die beiden jungen Pflegestärkungsgesetze dennoch für einen „ordentlichen Wurf“. So fällt beispielsweise die bisherige Minutenzählerei bei der Einstufung weg. Und auch der Eigenanteil in der stationären Pflege bei der Einstufung in den nächsthöheren Pflegegrad steigt künftig nicht mehr. Der Sparkassenberatungs-dienst bietet die Vorträge im Übrigen vollkommen unentgeltlich sowohl für die Veranstalter als auch die Hörer an.

 Als Vollkaskoversicherung war die 1995 eingeführte Pflegeversicherung nie konzipiert. Das ist bei einem Beitrag von derzeit mindestens 2,35 Prozent aus dem Bruttoeinkommen, der zum 1.01.2017 auf maximal 2,8 Prozent steigen wird, und einer durchschnittlichen Pflegedauer von 8,3 Jahren auch schlechterdings unmöglich. Die Versorgungslücke zwischen Versicherungsleistung und möglichen Pflege(heim)kosten muss durch die eigene Rente, Vermögen oder die unterhaltspflichtigen Kinder gedeckt werden. „Bei mir wären das für meine Mutter knapp 300 Euro im Monat“, entschärfte Thomas Rohr jedoch sofort Befürchtungen nach einer unverhältnismäßig hohen finanziellen Belastung der Angehörigen. Und wo das alles nicht reicht, springt der Staat ein. Die Betreuung ist die gleiche. „Ich finde es wichtig, dass Menschen am Ende ihrer Tage richtig versorgt werden“, bekräftigte Rohr trotzdem, „wir können stolz sein, in einem System zu leben, wo jeder aufgefangen wird.“ „Verzagen sie nicht, wenn’s auf sie zukommt, endete er „es gibt Hilfen!“.

Die im Rahmen des Vortrags gezeigten Folien können unter "Downloads - Aktuell" angeschaut, heruntergeladen und bei Bedarf auch ausgedruckt werden.